Wernher von Braun – Wegbereiter der Raumfahrt 
Wernher von Braun war ein visionärer Wissenschaftler, dessen Arbeit sowohl die Kriegsführung als auch die Raumfahrt massgeblich prägte. In den USA gefeiert als Held, bleibt seine Rolle im Zweiten Weltkrieg und seine Verstrickung im Nazi-Regime jedoch weiterhin umstritten. Trotz dieser dunklen Kapitel bleibt er eine Schlüsselfigur der Raumfahrtgeschichte. Ohne von Braun wären die Apollo-Mondlandung und viele weitere Erfolge der Raumfahrtgeschichte wohl undenkbar gewesen.
Der deutsche Physiker und Ingenieur leitete im Dritten Reich die Entwicklung der V2-Raketen. Nach dem Krieg – als US-Bürger – trug er entscheidend zur Landung des ersten Menschen auf dem Mond bei. Diese beiden Projekte, die zunächst als völlig getrennt schienen, sind tief miteinander verknüpft.
Als Leiter der Marshall Space Flight Center in Huntsville, Alabama, entwickelte von Braun die Saturn V-Rakete, die 1969 die Apollo-11-Mission ins All brachte und es den Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin ermöglichte, als erste Menschen den Mond zu betreten. Dieser Erfolg machte von Braun zu einer gefeierten Figur in den USA und weltweit.
Seine Arbeit war entscheidend für den Erfolg des Apollo-Programms, und er gilt als einer der Väter der modernen Raumfahrt. Auch nach der Mondlandung blieb von Braun ein aktiver Verfechter der bemannten Raumfahrt und setzte sich für die Entwicklung von Raumstationen und interplanetaren Missionen ein.
Frühe Jahre und wissenschaftliche Ausbildung
Wernher Magnus Maximilian Freiherr von Braun wurde am 23. März 1912 in der damaligen Provinz Ostpreussen (heute Polen) geboren. Die Grundlagen für seine spätere Karriere waren bereits in seiner Kindheit gelegt. Schon früh entdeckte er seine Leidenschaft für Technik, inspiriert von den Büchern von Jules Verne („Von der Erde zum Mond“) und Hermann Oberth („Die Rakete zu den Planetenräumen“). Als Sohn wohlhabender Eltern, mit Zugang zu den besten Schulen und einer aussergewöhnlichen Begabung, die heute als hochbegabt bezeichnet würde, hatte von Braun beste Voraussetzungen für seine wissenschaftliche Laufbahn. Zunächst studierte er Maschinenbau, bevor er zur Physik wechselte. 1931 erlernte er das Segelfliegen und vertiefte seine technischen Fähigkeiten.
Karriere im Dritten Reich
Im Jahr 1932 trat Wernher von Braun in das Heereswaffenamt in Berlin ein und begann dort mit der Arbeit an Raketenprojekten. Ab 1936 forschten unter seiner Leitung Wissenschaftler an der militärischen Entwicklung von Raketen. Der ebenso musisch wie naturwissenschaftlich begabte Ingenieur träumte bereits in jungen Jahren davon, eines Tages eine Rakete zum Mond zu schicken.
In Peenemünde ging von Braun mit einer gehörigen Portion Opportunismus einen folgenschweren Pakt mit dem NS-Regime ein, das ihm nahezu unbegrenzte Mittel für seine ambitionierten Forschungsprojekte zur Verfügung stellte. 1937 wurde er technischer Direktor der Heeresversuchsanstalt Peenemünde, wo die Entwicklung der V2-Rakete maßgeblich vorangetrieben wurde. Diese Waffe sollte nicht nur die Kriegsführung verändern, sondern galt zugleich als technologische Vorstufe für die zukünftige Raumfahrt.
Um seine Stellung im Machtgefüge zu festigen und das Projekt weiter voranzutreiben, trat von Braun 1937 der SS bei und wurde 1940 zum SS-Offizier ernannt. Dieser Schritt rückte ihn in unmittelbare Nähe zum nationalsozialistischen Regime – ein dunkles und bis heute umstrittenes Kapitel seiner Biografie.
Der Zweite Weltkrieg und seine Ambivalenz
Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erhielt von Braun reichlich Mittel und Ressourcen, um die Raketenentwicklung voranzutreiben. Die A4 (später V2) Rakete wurde das erste erfolgreiche Beispiel für eine von Menschen gebaute Rakete, die den Weltraum erreichen konnte. 1943, nach einem Angriff der Royal Air Force auf die Peenemünder Anlagen, entschied die Nazi-Führung, die Produktion in das Mittelwerk in Nordhausen zu verlagern. Dort wurden Zwangsarbeiter aus dem Konzentrationslager Mittelbau-Dora eingesetzt, was von Braun in eine moralisch schwierige Lage brachte. Obwohl er sich nicht gegen das Regime stellte, war er offenbar zunehmend in einem teuflischen System gefangen.
1944 wurde von Braun aufgrund eines Verratsverdachts verhaftet, jedoch bald wieder freigelassen, da seine Arbeit für die Kriegsführung von entscheidender Bedeutung war. Zu dieser Zeit begann er, die Aussicht auf einen deutschen Sieg im Krieg zu verlieren und plante bereits für die Nachkriegszeit.
Nach dem Krieg: Ein Neuanfang in den USA
Kurz vor Ende des Krieges ergab sich von Braun den Amerikanern in den österreichischen Alpen. Zusammen mit vielen seiner Kollegen wurde er in die USA gebracht, wo er fortan für die US-Armee an der Entwicklung von Raketen arbeitete. An der White Sands Testanlage in New Mexico nahm er an Tests der V2-Raketen teil und entwickelte neue Raketen für die USA.
Karriere bei der NASA
1960 trat von Braun der neu gegründeten NASA bei. Er war massgeblich an der Entwicklung der Mercury-Redstone-Rakete beteiligt, mit der der erste US-Amerikaner, Alan Shepard, am 5. Mai 1961 einen Suborbitalflug absolvierte. Der Höhepunkt seiner Karriere war jedoch die Mondlandung am 20. Juli 1969, als die Apollo-11-Mission erfolgreich auf dem Mond landete – ein Moment, der von Brauns lebenslange Bemühungen und Visionen krönte.
Späte Jahre und Tod
Trotz des Erfolgs der Apollo-Missionen bemerkte von Braun, dass das Interesse und die finanzielle Unterstützung für die Raumfahrtprogramme nachliessen. 1972 verliess er die NASA und ging in die Privatwirtschaft, wo er bei Fairchild Industries arbeitete. Wernher von Braun starb am 16. Juni 1977 in Alexandria, Virginia, an Krebs.