Peggy Whitson ist eine der einflussreichsten und erfahrensten Persönlichkeiten der internationalen Raumfahrt. Geboren am 9. Februar 1960 in Mount Ayr im US-Bundesstaat Iowa, wuchs sie auf einer Farm auf – weit entfernt von den Hightech-Laboren der NASA, die später ihr berufliches Zuhause werden sollten. Sie promovierte in Biochemie an der renommierten Rice University und schlug zunächst eine wissenschaftliche Laufbahn ein. Bereits in den 1980er-Jahren arbeitete sie als Forscherin und Projektleiterin für die NASA, unter anderem im Bereich biomedizinischer Forschung und bei der Vorbereitung auf den Aufbau der Internationalen Raumstation (ISS).
1996 wurde sie schliesslich offiziell in das Astronautenkorps der NASA aufgenommen – und begann damit eine aussergewöhnliche Karriere im All. Whitsons fundierte Kenntnisse in Zellbiologie und ihre Erfahrung mit Experimenten unter Mikrogravitation machten sie zu einer idealen Besetzung für wissenschaftliche Langzeitmissionen im Orbit.
Zwischen 2002 und 2017 absolvierte sie insgesamt drei Langzeitaufenthalte an Bord der ISS. Im Rahmen von Expedition 5 (2002) war sie zum ersten Mal im All. Bei Expedition 16 (2007/2008) übernahm sie als erste Frau überhaupt das Kommando über die Raumstation – ein historischer Moment in der Geschichte der bemannten Raumfahrt. Ihre dritte Mission, Expedition 50 bis 52 (2016/2017), machte sie zur NASA-Astronautin mit der bis dahin längsten kumulierten Aufenthaltsdauer im All.
Mit 665 Tagen im Orbit ist Peggy Whitson nach wie vor die US-Amerikanerin mit der längsten Gesamtzeit im Weltraum. Zudem absolvierte sie zehn Weltraumausstiege (EVAs) – so viele wie keine andere Frau zuvor. Ihre Leistungen wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit der NASA Distinguished Service Medal und dem Time Magazine’s 100 Most Influential People Award.
Nach ihrem Ausscheiden aus dem aktiven NASA-Dienst wechselte Whitson zu Axiom Space, einem privaten Raumfahrtunternehmen, das kommerzielle Missionen zur ISS und künftig zur eigenen Raumstation plant. Dort übernahm sie die Leitung des Bereichs Human Spaceflight und kehrte 2023 – im Alter von 63 Jahren – als Kommandantin der Mission Ax-2 noch einmal selbst ins All zurück. Damit gehört sie zu den ältesten Raumfahrerinnen der Geschichte. Für Ax-4, eine weitere wissenschaftliche Mission zur ISS, ist sie erneut als Kommandantin vorgesehen – ein bemerkenswerter Beweis ihrer physischen wie geistigen Ausdauer.
Peggy Whitson ist weit mehr als eine Rekordhalterin. Sie ist eine Wegbereiterin in einem lange männlich dominierten Bereich und hat Generationen von Frauen ermutigt, Karrieren in Wissenschaft, Technik und Raumfahrt zu verfolgen. Mit ihrer ruhigen Entschlossenheit, ihrem fachlichen Können und ihrer unermüdlichen Arbeit gilt sie heute als Vorbild für junge Forschende weltweit – und als Symbol für das, was mit Wissen, Disziplin und Mut erreichbar ist.