Axiom Space ist ein US-amerikanisches Raumfahrtunternehmen mit Sitz in Houston, Texas. Gegründet wurde es 2016 von Michael Suffredini, dem früheren Leiter des ISS-Programms der NASA, und dem Raumfahrtunternehmer Kam Ghaffarian. Das Unternehmen verfolgt das ambitionierte Ziel, den erdnahen Orbit (Low Earth Orbit, LEO) in ein florierendes kommerzielles Ökosystem zu transformieren – durch bemannte Raumflüge, Forschung, industrielle Anwendungen und den Aufbau einer eigenen Raumstation.
Zu den Kunden von Axiom zählen nationale Raumfahrtagenturen, Forschungseinrichtungen und zahlungskräftige Privatpersonen. Das Dienstleistungsportfolio umfasst Missionsplanung, Training, medizinische Betreuung sowie logistische Unterstützung.
In den vergangenen Jahren konnte Axiom Space bedeutende Finanzierungsrunden abschliessen:
• Series B (2021): 130 Millionen US-Dollar
• Series C: 460 Millionen US-Dollar
Insgesamt beläuft sich das aufgenommene Kapital auf über 500 Millionen US-Dollar. Mit über 800 Mitarbeitenden (Stand 2023) kooperiert das Unternehmen unter anderem mit der NASA, SpaceX, Thales Alenia Space, Skyroot Aerospace (Indien), ISRO, Prada sowie zahlreichen wissenschaftlichen Institutionen weltweit.
Axiom Space nimmt eine Schlüsselrolle im Wandel der Raumfahrt ein – von einem staatlich dominierten hin zu einem dynamischen, kommerziell geprägten Sektor.
Kommerzielle bemannte Raumflüge zur ISS
Seit April 2022 führt Axiom Space mit den Missionen Ax-1 bis Ax-4 kommerzielle bemannte Raumflüge zur Internationalen Raumstation (ISS) durch. Die Missionen erfolgen in Kooperation mit SpaceX unter Einsatz der Crew-Dragon-Kapsel.
Die bisher jüngste Mission, Ax-4, startete am 24. Juni 2025 und brachte Astronauten aus Indien, Polen, Ungarn und den USA zur ISS. Während des Aufenthalts führten sie rund 60 wissenschaftliche Experimente durch – unter anderem zur Blutzuckermessung in Mikrogravitation.
Bau der kommerziellen Raumstation: Axiom Station
Langfristiges Ziel von Axiom Space ist der Aufbau der ersten kommerziellen Raumstation, der „Axiom Station“. Im Rahmen der NASA-Programme NextSTEP-2 und Commercial Low Earth Orbit Destinations (CLD) erhielt Axiom die Genehmigung, eigene Module an die ISS anzudocken. Schrittweise soll daraus eine unabhängige Raumstation entstehen.
Der Start des ersten Moduls – PPTM (Pressurized Platform and Technology Module) – ist für 2027 geplant. Es folgen:
• Hab-1 (2028) – Wohnmodul
• Ein Luftschleusenmodul für Aussenbordeinsätze
• Hab-2 sowie ein kombiniertes Forschungs- und Produktionsmodul mit integriertem Observatorium bis 2030
Nach dem geplanten Rückzug der ISS ab 2030 sollen sich die Axiom-Module abkoppeln und als autonome Raumstation weiter betrieben werden.
Forschung und Fertigung im All
Axiom Space entwickelt spezialisierte Technologien zur industriellen Nutzung der Schwerelosigkeit. In sogenannten In-Space-Manufacturing-Modulen sollen künftig biotechnologische Produkte, Halbleiter und hochwertige Materialien produziert werden – Anwendungen, die unter den Bedingungen der Erdgravitation nicht in vergleichbarer Qualität herstellbar sind. Ziel ist es, das Potenzial der Mikrogravitation für medizinische und technologische Innovationen nutzbar zu machen.
AxEMU: Der Raumanzug der nächsten Generation
Im Auftrag der NASA entwickelt Axiom Space den neuen Raumanzug AxEMU (Axiom Extravehicular Mobility Unit). Er ist für Ausseneinsätze sowohl an der ISS als auch auf dem Mond – im Rahmen des Artemis-Programms – vorgesehen. Für das Design der äusseren Schutzhülle arbeitet Axiom mit Prada zusammen.
Vision eines integrierten Raumfahrtökosystems
Axiom Space verfolgt die Vision eines vollständig integrierten Raumfahrtökosystems: vom bemannten Transport über Raumanzüge bis hin zur eigenen Raumstation. Kommerzielle, wissenschaftliche und staatliche Aktivitäten sollen im Orbit nahtlos miteinander verbunden und gefördert werden.
Die Axiom Station soll sich nach dem Ende der ISS zur zentralen Plattform im erdnahen Orbit entwickeln – für Forschung, Produktion und Astronautentraining, offen für Staaten, Unternehmen und Privatkundschaft weltweit.
Missionen:
Jede Axiom-Mission baut systematisch auf den Erfahrungen der vorherigen auf: Von rein privat finanzierten Forschungseinsätzen über multinationale Kooperationen bis hin zu wissenschaftlich anspruchsvollen Flügen mit internationalen Partnern. Ziel ist es, die kommerzielle Raumfahrt nachhaltig zu stärken und langfristig eine eigenständige Axiom-Raumstation als Nachfolgerin der ISS zu etablieren.
Ax-1, die erste Axiom Mission, startete am 8. April 2022 mit der SpaceX-Raumkapsel Crew Dragon Endeavour. An Bord befanden sich vier Raumfahrer: Michael López-Alegría (USA/Spanien), ein erfahrener Astronaut und Kommandant der Mission, sowie drei Privatastronauten – Larry Connor aus den USA, Mark Pathy aus Kanada und Eytan Stibbe aus Israel. Die Mission dauerte insgesamt rund 17 Tage, davon verbrachte die Crew etwa 13 Tage auf der Internationalen Raumstation (ISS). Ax-1 war ein historischer Meilenstein, denn sie markierte die erste vollständig privat finanzierte bemannte Mission zur ISS. Während ihres Aufenthalts führten die Astronauten über 25 wissenschaftliche und technologische Experimente durch.
Ax-2, folgte am 21. Mai 2023 – erneut mit SpaceX, diesmal an Bord der Crew Dragon Freedom. Das Kommando übernahm die erfahrene US-Astronautin Peggy Whitson, begleitet von John Shoffner (USA), einem Unternehmer und Piloten, sowie zwei saudischen Raumfahrern: Ali Alqarni und Rayyanah Barnawi. Letztere schrieb Geschichte als erste Frau aus Saudi-Arabien im Weltraum. Die Mission dauerte neun Tage, wovon die Crew acht Tage auf der ISS verbrachte. Neben vielfältigen wissenschaftlichen Untersuchungen stand die internationale Zusammenarbeit im Zentrum – insbesondere mit Blick auf die stärkere Einbindung von Raumfahrtnationen wie Saudi-Arabien in kommerzielle Raumfahrtprojekte.
Ax-3, die dritte bemannte Mission von Axiom, startete am 18. Januar 2024. Erneut führte Michael López-Alegría das Team als Kommandant an. Mit an Bord waren Walter Villadei aus Italien (Pilot, Luftwaffe), Alper Gezeravcı, der erste türkische Astronaut, sowie Marcus Wandt aus Schweden, ein ESA-Astronaut. Diese Mission war die erste kommerzielle ISS-Reise mit einer vollständig europäischen Besatzung. Während des 21-tägigen Einsatzes – davon rund 18 Tage auf der Raumstation – führten die Crewmitglieder über 30 Experimente durch und engagierten sich in über 50 Bildungs- und Öffentlichkeitsaktivitäten.
Ax-4, hob am 25. Juni 2025 mit der Crew Dragon C213 und einer Falcon-9-Rakete ab. Angeführt wurde die Mission erneut von Peggy Whitson (USA), die bereits auf Ax-2 geflogen war. Ihr zur Seite standen Shubhanshu Shukla aus Indien (Pilot, unterstützt von der indischen Raumfahrtbehörde ISRO), Sławosz Uznański-Wiśniewski aus Polen (ESA-Astronaut) und Tibor Kapu aus Ungarn. Die Mission war auf bis zu 14 Tage an der ISS angelegt, mit Ankopplung am Modul Harmony. Ax-4 hatte mit über 60 geplanten Experimenten ein besonders umfangreiches wissenschaftliches Programm, das sich u. a. mit Biologie, Gesundheitsforschung, künstlicher Intelligenz und Materialwissenschaft befasste. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Wirkung der Mikrogravitation auf Diabetes-Medikamente – ein Thema mit grosser medizinischer Relevanz.