Dr. Story Musgrave ist ehemaliger NASA-Astronaut, Mediziner und Wissenschaftler ist eine der aussergewöhnlichsten Persönlichkeiten der bemannten Raumfahrt. Er nahm an sechs Space-Shuttle-Missionen teil, spielte eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung von Raumanzügen und Aussenbordeinsätzen und war massgeblich an der ersten Reparatur des Hubble-Weltraumteleskops beteiligt.
Geboren wurde er am 19. August 1935. Obwohl er in Boston, Massachusetts geboren wurde, betrachtet er Lexington, Kentucky, als seine Heimatstadt. Musgrave begann schon als Jugendlicher auf einer Farm in Massachusetts, Flugzeuge zu fliegen und machte seinen ersten Alleinflug mit 16. Er flog später auch Hochleistungsjets wie den Northrop T-38 Talon.
Seine akademische Laufbahn ist einzigartig: Musgrave erwarb Abschlüsse in Mathematik, Statistik, Betriebswirtschaft, Chemie, Medizin, Physiologie, Biophysik und Literatur. Diese aussergewöhnliche interdisziplinäre Ausbildung bildete die Grundlage für seine spätere Arbeit als Wissenschaftler, Mediziner, Ingenieur und Astronaut. Neben seiner formalen Ausbildung war er Mitglied zahlreicher renommierter wissenschaftlicher, medizinischer und luftfahrtbezogener Organisationen und Netzwerke.
1953 trat Musgrave in das United States Marine Corps ein, wo er als Flugzeugelektriker, Instrumententechniker und Crew Chief diente. In dieser Zeit absolvierte er Auslandseinsätze in Asien und im Pazifikraum. Im Laufe seiner Karriere sammelte er mehr als 17.700 Flugstunden in 160 verschiedenen zivilen und militärischen Flugzeugtypen, darunter 7.500 Stunden in Strahlflugzeugen. Darüber hinaus war er ein erfahrener Fallschirmspringer mit über 500 Freifällen, von denen viele wissenschaftlichen Untersuchungen zur menschlichen Aerodynamik dienten.
Parallel zu seiner militärischen und fliegerischen Laufbahn arbeitete Musgrave als Mathematiker und Operationsanalyst bei der Eastman Kodak Company. Nach seiner medizinischen Ausbildung absolvierte er ein chirurgisches Praktikum und mehrere Postdoktorandenstellen, unter anderem in der Luft- und Raumfahrtmedizin sowie der Herz-Kreislauf- und Belastungsphysiologie. Über zwei Jahrzehnte hinweg war er als Chirurg und Universitätsprofessor tätig und veröffentlichte 25 wissenschaftliche Arbeiten in zentralen Bereichen der medizinischen und physiologischen Forschung.
Er ist ledig, Vater von sechs Kindern (eines davon verstorben) und besitzt ein breites Spektrum an Interessen, das von Schach, Literatur und Gartenarbeit über Fotografie bis hin zu Fliegen, Fallschirmspringen, Tauchen und Segelflug reicht.
Im August 1967 wurde Story Musgrave von der NASA als Wissenschaftsastronaut ausgewählt. Er war massgeblich an der Entwicklung des Skylab-Programms beteiligt und fungierte als Ersatz-Wissenschaftspilot sowie als Verbindungssprecher (CAPCOM) für mehrere Missionen. Besonders prägend war sein Beitrag zur Entwicklung der Ausrüstung für Aussenbordeinsätze des Space Shuttles, einschliesslich Raumanzügen, Lebenserhaltungssystemen und Manövriereinheiten.
Zwischen 1983 und 1996 nahm Musgrave an sechs Space-Shuttle-Missionen teil. Sein erster Raumflug auf STS-6 markierte den ersten Aussenbordeinsatz eines Space Shuttles. Es folgten weitere Missionen mit wissenschaftlichen, militärischen und technologischen Schwerpunkten. Ein Höhepunkt seiner Karriere war die STS-61-Mission im Jahr 1993, die erste Reparatur- und Wartungsmission des Hubble-Weltraumteleskops, bei der Musgrave drei von insgesamt fünf Aussenbordeinsätzen durchführte und entscheidend zur Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit des Teleskops beitrug.
Insgesamt verbrachte Story Musgrave über 1.280 Stunden im Weltraum und umrundete die Erde hunderte Male. Seine letzte Mission, STS-80, stellte mit 278 Erdumläufen einen damaligen Rekord auf. Im August 1997 beendete er seine Tätigkeit bei der NASA, um sich privaten und wissenschaftlichen Interessen zu widmen. Story Musgrave gilt bis heute als herausragendes Beispiel für interdisziplinäres Denken, lebenslanges Lernen und aussergewöhnliches Engagement in Wissenschaft, Medizin und Raumfahrt.

Essay von Story Musgrave. Hier der übersetzte Text: 
Das Essay von Story Musgrave. Hier der übersetzte Text: 
„Hubble berührt die Menschen, wenn man es betrachtet, weil man den Menschen ihren Platz im Universum gibt. Wissenschaft spielt dabei oft eine Rolle, aber sie braucht keine Übersetzung; sie ist wie Poesie. Sie berührt einen. Ich glaube, wenn wir das Teleskop nicht repariert hätten, wäre das das Ende der Raumstation gewesen, denn die Raumstation erfordert eine enorme Anzahl von Weltraumspaziergängen. Wir haben eigentlich nie wirklich losgelassen und gefeiert, was das Hubble-Teleskop geleistet hat. Wie Neil Armstrong sagte: ‚Das ist ein kleiner Schritt für den Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit.‘“


Story Musgrave