
Das SLS (Space Lounch System) besteht aus zwei leistungsstarken Feststoffboostern, einer zentralen Kryostufe (Core Stage) mit vier wiederverwendeten RS-25-Triebwerken aus dem Space-Shuttle-Programm, einer Oberstufe (Interim Cryogenic Propulsion Stage, ICPS) sowie dem Orion-Raumschiff, das mit einem von der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) entwickelten Servicemodul ausgestattet ist. Die Orion-Kapsel ist für bis zu vier Astronauten ausgelegt und soll die Besatzung sicher durch tiefe Weltraumumgebungen transportieren und zur Erde zurückführen.
Artemis ist das Mondprogramm der NASA welches auf Basis des SLS Systems durchgeführt wird. Das Artemis-Programm, soll die Rückkehr der Menschheit zum Mond einleiten. Mit dem Artemis-Programm verfolgt die NASA das ambitionierte Ziel, erstmals seit den Apollo-Missionen wieder Menschen zum Mond zu bringen und diesmal mit langfristiger Perspektive.
Anders als in den 1960er- und 70er-Jahren soll Artemis nicht nur eine Rückkehr zur Mondoberfläche ermöglichen, sondern auch die Grundlage für eine dauerhafte Präsenz auf dem Mond schaffen. Im Fokus steht insbesondere der kaum erforschte Südpol des Mondes, wo Wissenschaftler Wasser in Form von Eis vermuten. Diese Ressource könnte entscheidend für die Gewinnung von Treibstoff oder Trinkwasser auf zukünftigen Missionen sein.
Die dem SLS zugrunde liegende Technik basiert zu einem grossen Teil auf weiterentwickelten Komponenten und Systemen, die ursprünglich für das Space Shuttle (ab 1981) entwickelt wurden. Dazu gehören insbesondere die RS-25-Triebwerke, die Feststoffbooster (in verlängerter Version) und Teile der Avionik- und Bodentechnik.
Langfristig sind leistungsfähigere Varianten des SLS geplant: Block 1B mit einer neuen Exploration Upper Stage (EUS) und einer Nutzlastkapazität von etwa 42 Tonnen zum Mond, sowie Block 2, der über noch stärkere Booster verfügen soll und bis zu 46 Tonnen in eine TLI-Bahn befördern kann.
Das Artemis-Programm ist von zahlreichen technischen Schwierigkeiten und massiven Kostenüberschreitungen geprägt. Nach aktuellen Schätzungen belaufen sich die Kosten für einen einzelnen Artemis-Start auf rund 4,5 Milliarden US-Dollar.
Ein wesentlicher Faktor hierfür sind die zahlreichen, langfristigen und äusserst kostspieligen Verträge mit verschiedenen Industriepartnern wie Boeing, Northrop Grumman und Lockheed Martin. Diese Unternehmen haben durch das Programm erhebliche finanzielle Interessen, was dazu führt, dass Artemis zunehmend als industriepolitisches Förderprogramm wahrgenommen wird – weniger als ein zukunftsweisendes Raumfahrtprojekt.
Programmänderungen 2026
Das Artemis-Programm der NASA hat in den vergangenen Monaten erhebliche Änderungen erfahren. Im März 2026 kündigte NASA-Administrator Jared Isaacman an, dass das sogenannte Lunar Gateway „in seiner bisherigen Form“ gestoppt werde. Die NASA verfolgt nun eine sogenannte „Surface-First“-Strategie, bei der die verfügbaren finanziellen und technischen Ressourcen direkt in den Aufbau einer dauerhaften Infrastruktur auf der Mondoberfläche fließen sollen. Statt einer Raumstation im Mondorbit liegt der Schwerpunkt nun auf dem Aufbau einer Mondbasis im Bereich des Südpols der Mondoberfläche. Teile der bereits entwickelten Gateway-Hardware sollen dabei, soweit möglich, für die neue Architektur weiterverwendet werden.
Die Entscheidung hat weitreichende Folgen für das gesamte Artemis-Programm. Künftige Astronauten sollen nicht mehr über eine Zwischenstation im Mondorbit reisen, sondern direkt von der Orion-Kapsel auf die jeweilige Landefähre umsteigen. Dadurch vereinfacht sich die Missionsarchitektur, gleichzeitig entfällt jedoch eine zentrale Infrastruktur, die ursprünglich für langfristige wissenschaftliche Arbeiten und internationale Kooperationen vorgesehen war. Insbesondere bei den internationalen Partnern sorgt die Entscheidung für Unsicherheit, da mehrere Module und Systeme für Gateway bereits in Entwicklung oder teilweise fertiggestellt waren.
Die Besatzung, welche für Artemis III geplant ist, wurde am 9. Juni 2026 angekündigt. Sie besteht aus: Randy Bresnik, Kommandant (3. Raumflug; USA/NASA), Luca Parmitano, Pilot (3. Raumflug; Italien/ESA), Francisco Rubio, Missionsspezialist (2. Raumflug; USA/NASA) uns Andre Douglas, Missionsspezialist (1. Raumflug; USA/NASA). Artemis III war unrsprünglich als historische Mission geplant, die erstmals seit der Apollo-Ära wieder Astronauten auf der Mondoberfläche landen sollte. Aufgrund von Verzögerungen bei zentralen Komponenten, insbesondere den Mondlandesystemen von SpaceX und Blue Origin, sowie weiterer technischer Herausforderungen hat die NASA ihre Strategie jedoch angepasst. Statt einer direkten Mondlandung wird Artemis III nun als umfangreiche Test- und Demonstrationsmission im Erdorbit durchgeführt.
Im Rahmen dieser Mission sollen die Astronauten mit der Orion-Raumkapsel starten und wichtige Rendezvous- und Dockingmanöver mit den für spätere Mondmissionen vorgesehenen Landefähren durchführen. Darüber hinaus werden verschiedene Systeme erprobt, darunter möglicherweise auch die neuen Mondraumanzüge der nächsten Generation. Ziel ist es, die Risiken einer späteren Mondlandung zu verringern, indem die komplexen Technologien zunächst unter realen Einsatzbedingungen getestet werden.
Durch diese Umplanung verschiebt sich die erste bemannte Mondlandung des Artemis-Programms auf Artemis IV, die derzeit für das Jahr 2028 vorgesehen ist. Die NASA verfolgt damit einen schrittweisen Ansatz, bei dem zunächst alle wesentlichen Systeme umfassend validiert werden, bevor Menschen tatsächlich auf dem Mond landen. Dieser Strategiewechsel soll die Erfolgsaussichten erhöhen und die Sicherheit der Besatzungen gewährleisten.
Eine weitere wichtige Entwicklung betrifft die Besatzung von Artemis III. Anfang Juni 2026 stellte die NASA offiziell die vierköpfige Crew vor. Zum Team gehören der US-amerikanische Astronaut Randy Bresnik als Kommandant, der italienische ESA-Astronaut Luca Parmitano als Pilot sowie die NASA-Astronauten Andre Douglas und Frank Rubio. Die Beteiligung eines europäischen Astronauten unterstreicht die internationale Ausrichtung des Artemis-Programms und die enge Zusammenarbeit zwischen NASA und ESA.
Aktuell wird ein Start von Artemis III im Jahr 2027 angestrebt. Die Mission gilt als entscheidender Meilenstein für die Integration der verschiedenen Raumfahrtsysteme, darunter die Orion-Kapsel, die Mondlandefähren und die zugehörigen Infrastrukturkomponenten. Gleichzeitig bestehen weiterhin technische und organisatorische Herausforderungen. Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt beispielsweise Blue Origin nach Problemen im Zusammenhang mit der Entwicklung seiner Trägersysteme. Dennoch hält die NASA an ihrer langfristigen Strategie fest, eine nachhaltige Präsenz des Menschen auf dem Mond aufzubauen und den Mond als Ausgangspunkt für spätere Missionen zum Mars zu nutzen.
(April 2026): In der Nacht auf den 2. April startete die SLS Rakete um 0:35 und 12 Sekunden (MESZ) vom Startplatz 39B in Cape Canaveral unter den Augen von zehntausenden von Zuschauern. Das Raumfahrzeug befindet sich derzeit in einem hohen Erdorbit, wo es im Laufe des nächsten Tages Systemtests durchführen wird. Der nächste wichtige Meilenstein der Mission wird am Donnerstagabend (EDT) erreicht, wenn die ICPS ihre Triebwerke zündet, um die Besatzung aus dem Erdorbit hinaus zu befördern und die Reise zum Mond zu beginnen.
An Bord befanden sich Reid Wiseman als Commander, Victor Glover als Pilot sowie die Missionsspezialisten Jeremy Hansen und Christina Hammock Koch. Diese Crew schreibt Geschichte: Erstmals fliegen eine Frau, ein Schwarzer und ein Kanadier auf einer Mission zum Mond.

Ein zentrales Element des Artemis-Programms der NASA ist das Space Launch System (SLS). Es wurde speziell für bemannte Missionen jenseits der Erdumlaufbahn, insbesondere zum Mond und perspektivisch zum Mars, entwickelt.
In seiner ersten Ausführung, dem Block 1, ist das SLS rund 98 Meter hoch, wiegt beim Start etwa 2'900 Tonnen und erzeugt einen gewaltigen Startschub von rund 39 Millionen Newton. Damit kann es rund 30 Tonnen Nutzlast auf eine Transferbahn zum Mond (Translunar Injection, TLI) befördern.
Höhe:
- Block 1 (Artemis I): 98 m
- Block 1B Crew: 111 m
- Block 1B Cargo: 100 m
- Block 2 Cargo: 111 m
Masse:
~2'900 tonnen
Die Weiterentwicklung des Artemis-Programms verläuft in mehreren Phasen
Artemis I startete im November 2022 unbemannt und testete das Gesamtsystem unter realen Bedingungen auf einem Flug um den Mond und zurück. Die Mission war technisch erfolgreich, lieferte jedoch Hinweise auf Verbesserungsbedarf, insbesondere beim Hitzeschild von Orion.
Artemis II ist die erste bemannte Mission und für 2026 geplant. Vier Astronauten sollen in einem zehntägigen Flug den Mond umrunden, eine Premiere seit Apollo 17 im Jahr 1972. Kommandant Reist Wiseman, Pilot Victor Glover und die Missionsspezialisten Jeremy Hansen und Christina Koch sind als Besatzung vorgesehen.
Artemis III, frühestens 2027, soll zwei Astronauten, darunter erstmals eine Frau und eine Person nicht-weisser Hautfarbe, auf dem Mond-Südpol landen. Dabei kommt ein kommerzieller Mondlander zum Einsatz, entwickelt von SpaceX (Starship HLS).
Ab Artemis IV kommen verbesserte Versionen des SLS zum Einsatz (z. B. Block 1B mit der Exploration Upper Stage (EUS)), um schwerere Nutzlasten und Infrastrukturkomponenten, wie Teile der geplanten Raumstation Gateway, zum Mond zu transportieren.
Das Lunar Gateway ist eine geplante Mini-Raumstation im Mondorbit. Sie soll als Versorgungs- und Zwischenstation dienen und langfristig auch eine Rolle bei bemannten Marsmissionen spielen.
Das Artemis-Programm ist dabei nicht nur ein nationales Vorhaben der USA. Es ist international angelegt: Die Europäische Weltraumagentur (ESA) liefert das Service-Modul von Orion, während auch Länder wie Japan, Kanada, Australien und private Raumfahrtunternehmen (z. B. SpaceX, Blue Origin, Axiom Space) am Programm beteiligt sind.
Kritik
Die Kritik in den Vereinigten Staaten wird immer lauter. Medien, Wissenschaftler und Teile der Politik stellen zunehmend die Frage, wie lange noch enorme Summen in dieses „Fass ohne Boden“ investiert werden sollen. Seit dem Beginn der Bemühungen um eine Rückkehr zum Mond, einschliesslich der Vorläuferprogramme nach dem Space Shuttle, wurden bereits über 200 Milliarden US-Dollar in Entwicklung, Infrastruktur und Missionsvorbereitung investiert.
Die technische Basis des Artemis-Programms beruht zu einem erheblichen Teil auf modifizierten Komponenten, welche ursprünglich in den 1970er-Jahren für das Space Shuttle entwickelt wurden. Dazu zählen die RS-25-Haupttriebwerke, die Feststoffbooster (in modifizierter Form) sowie Teile der Bodentechnik und Steuerungssysteme. Diese technologische Kontinuität senkt zwar Entwicklungsrisiken, führt aber auch dazu, dass Artemis nicht auf den neuesten technischen Standards moderner Raumfahrttechnik basiert.